01.10.2006 Tornado in Diedorf 

 


 

Sonntag Nacht, gegen 23.00 Uhr zog ein Gewitter auf. Dieses brachte am Anfang viel Regen mit und verstärkte sich zunehmend. Um 23.30 Uhr war der Wind so stark, dass er Bäume entwurzelte und Dächer abdeckte. 

Von der Diedorfer Bevölkerung nahmen dies nur wenige war, da die Kirmes auf dem Diedorfer Saal voll im Gang war.  In den nächsten Stunden überschlugen sich die Ereignisse. So kamen die Leute von zuhause auf den Saal, um die Angehörigen nach Hause zu holen um die aufstehenden Dächer notdürftig zu schließen. Einige auf dem Saal, die den Sturm nicht wahrgenommen hatten, dachten es wäre ein Scherz. Die ersten Schadensmeldungen, wie die Kirmeslinde ist entwurzelt (danebenstehende Linde) veranlassten die Freiwillige Feuerwehr Diedorf mit ihrem Fahrzeug auszurücken. Kaum auf der Straße, kam auch schon ein Einsatz bei einem Verkehrsunfall. 

Nun zu einigen einzelnen Ereignissen in dieser Nacht.

 

Verkehrsunfall:

Auf der B285, in Bereich des Gewerbegebietes (Gebäude Firma Gille) fiel ein Baum auf die Fahrbahn. Eine schwangere Frau, aus Kaltennordheim kommend, hatte es gerade noch geschafft vor dem Baum  zum stehen zu kommen. Sie stand aber unter Schock. Die Einsatzfeuerwehren aus Kaltennordheim und Diedorf räumten die Unfallstelle. Nach diesem Einsatz machte sich die Diedorfer Feuerwehr an die Freiräumung der Hauptstraße von Dachziegeln und andere Gegenständen.  

 

Frau Wagner (Braugasse)

Als sie aus dem Fenster schaute und den Sturm beobachtete, ist ihr aufgefallen das der Sturm erst in Richtung Klings zog und dann zurück kam.

 

M. Polzt und C. Gille

Sie waren auf dem Saal. Das Schließen eines Fensters, war sehr mühsam, da der Wind viel Kraft hatte. Sie dachten, der Sturm würde das geschlossene Fenster eindrücken. Nach diesem Erlebnis hatte C. Gille (Elektriker) die Befürchtung, dass auf dem Heimweg die noch bestehende Freileitung herabhängen könnte. Da die Straßenbeleuchtung ausgefallen war hätte man leicht eine Leitung berühren könne. Zum Glück war dies nicht der Fall. 

 

M., J. und H. Prost

Die Kinder wurden von einem Geräusch munter und begaben sich auf dem Weg zum WC. Als sie die Tür erreichten und sie öffnen wollten, ging sie nicht auf, als würde sie jemand von innen festhalten. Die Mutter H. Prost war durch den Sturm schon auf und versuchte es ebenfalls die Türe zu öffnen; dies gelang ihr mit Mühe. Der Sturm verursachte vermutlich einen Sog durch das offene Fenster.

 

Von Kerstin Nelitz (Bericht aus dem Internet.)

 "Das Unwetter begann mit einem leichten Gewitter. Es blitzte und donnerte einige Male. Anschließend regnete es kurz, aber sehr kräftig. Nachdem sich der Regen etwas beruhigt hatte, das war dann am 01.10.06 kurz vor zwölf Uhr, hörte ich ein gewaltiges Brausen. Alle Familienmitglieder waren mit Fensterschließen und Wasser aufwischen beschäftigt. Das Wasser wurde durch den Druck durch die geschlossenen Fenster gespült. Mein Mann und ich hielten die Terrassentür und das angrenzende Fenster mit aller Kraft, sonst wäre es aus der Verankerung gerissen. Wir hatten große Angst, dass die Scheiben zerspringen. Ich kann nicht genau sagen, wie lange dies alles anhielt, es waren wohl einige Minuten. Dann war alles vorbei.
In unserem Dorf kam es zu schlimmen Zerstörungen: Von mehrere Wohnhäusern waren Dächer teilweise zerstört, Scheunen abgedeckt, die alten Dorflinden (wo am Nachmittag noch der Kirmestanz war) waren entwurzelt und auf die Autos der Anwohner gefallen. Das Dach unserer Kirche wurde sehr stark beschädigt, die Hälfte der Ziegeln war abgedeckt. Der Zaun des Friedhofs war teilweise aus der Verankerung gerissen und die einzelnen Teile fanden sich im Umkreis von 30m auf dem Friedhofsgelände. Die Tannen waren abgebrochen, wie Streichhölzer. Etwas außerhalb unseres Dorfes, an einem Teich und an der Felda, sind unzählige Bäume entwurzelt oder abgebrochen. Dort muss der Sturm noch verheerender gewesen sein."

 

Nachbarschaftshilfe:

Nachdem die Einwohner nach ihren Häusern geschaut hatten und nicht selbst etwas tun konnten oder der Schaden gering war, halfen sie ihren Nachbarn. Bei einigen Häusern, bei denen Dachziegel herabgefallen waren, bestand die Gefahr, dass der Regen die Wohnungen durchnässten und der Schaden noch größer würde. (Zum Glück hatte es nach dem Sturm aufgehört zu regnen.) So wurden viele Dächer wieder mit Planen oder noch vorhandenen Ziegeln notdürftig verschlossen.

 

Bauern 

Einige Bauern, die ihr Vieh im Freien hatten schauten gleich nach dem Rechten. 

 

Der nächst Morgen

 

Mit Anbruch des Tages wurde das Ausmaß des Sturmes erst richtig sichtbar. So hatte fast jedes Haus größere oder kleine Schäden. Die größten Schäden am Haus und Autos hatten wohl die Familien: 
Kranz (angehobene Sparren, Auto stark beschädigt); 
B. Walch (Dach und nasser Dachboden); 
H. Limpert (Dach)
W. Schäfer (Scheunendach); 
Hößel (Scheunendach); 
Lohse (Scheunendach); 
Weigand (Scheunendach); 
Pempel (Scheunendach); 
Kirche (Kirchdach, Holzdecke)

 

Ereignisse am Montag den 02.10.

 

Feuerwehr

Die Feuerwehren Diedorf und Kaltennordheim waren den ganzen Tag mit der Freiräumung der Straßen durch umgefallene Bäume beschäftigt. Bei diesen Arbeiten wurden sie von der Bevölkerung unterstützt.  Die Pfarrerin Frau Graf erbat Hilfe auch vom Klingser Bürgermeister, bei der Beseitigung der Schäden an der Diedorfer Kirche und auf dem Friedhof. Er schickte die Klingser Feuerwehrkameraden. 

 

Kirche 

Das stark beschädigte Dach der Kirche und des Kirchgemeindehauses wurden mit Hilfe einiger Einwohnern sowie des Bürgermeisters und drei hilfsbereiten Dachdekern wieder notdürftig verschlossen.  Es war gut, dass es am diesen Tag nicht regnete. Auch zu erwähnen ist das durch die Kirmes und den Feiertag am Dienstag viele Einwohner Urlaub hatten, und somit mithelfen konnten.
Da die Decke in der Kirche beschädig war und Teile herunterfallen könnten, wurde die Kirche gesperrt.
Fast alle Gebäude wurden so in stand gesetzt, dass der Regen keine weiteren Schäden anrichten konnte. Dies war auch gut so, da es am Dienstag zu einem regnerischen Tag kam. 

 


 

Am Dienstag, dem 02.10.2006 kam Herr Björn Stumpf Tornado- und Sturmschäden Schadensbegutachter, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

 

Schadensbild vom 03.10.2006

 

Nach weiteren Untersuchungen wurden noch mehrere Schäden des Sturmes entdeckt.

Weitere Informationen von Herrn Stumpf auf seiner Web http://www.w1nfo.de/2006/01102006_diedorf/


Nun einige Schadensbilder: 

Einige Einwohner beseitigte schon in der Nacht einige Schäden an ihren Wohnhäusern  um schlimmeres zu verhindern. Von diesen Schäden gibt es nun auch kaum Fotos.

Bilder  in der Windrichtung.

Begin mit:

  1. Horbel

  2. Basaltwerk

  3. Zwischen der Altmark und Diedorf

  4. Diedorf

  5. Bereich der Feldabrücke und Weg nach Wiesenthal

Weitere Bilder und Berichte sind auf nachfrage in der Gemeinde Diedorf einzusehen.


 

Zeitungsberichte

 

STZ Mittwoch, 04.10.2006 Seite 15
Wirbelsturm entwurzelte die Dorflinde Die zirka 15 Meter hohe Dorflinde in Diedorf ist von einer Windhose erfasst und entwurzelt worden. Das Waldgebiet "Horbel" ist für Besucher gesperrt. Auch in Geisa und Meimers hat laut Rettungsleitstelle das stürmische Unwetter in der Nacht zum Montag Schäden angerichtet. 

DIEDORF - Noch am Sonntagnachmittag fanden sich unter der über 80 Jahre alten Linde in Diedorf die Kirmespärchen zum traditionellen Lindentanz ein. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass wenige Stunden später dieser starke Baum einer Windhose zum Opfer fallen wird. Annett Raumschüssel ist fassungslos. Um 23.23 Uhr habe sie zufällig auf die Uhr geschaut, als der Baum vor ihrem Haus, dem ehemaligen Gasthaus "Zur Linde", einfach so umgefegt wurde. Die riesige Wurzel wurde aus dem Boden gerissen, überall lagen Äste, die kleine Nebenstraße war unpassierbar. Glück im Unglück hatten die Bewohner, denn die zirka 15 Meter hohe Linde kam neben dem Haus zu Fall. Allerdings begrub sie ein Fahrzeug unter sich. Eine Autofahrerin wurde leicht verletzt, als sie gegen einen umgestürzten Baum fuhr, der kurz vorher am Ortsausgang Diedorf Richtung Fischbach auf die Bundesstraße 285 stürzte. 50 Prozent der Häuserdächer in Diedorf seien leicht bis stark beschädigt worden, sagt Günther Bahn von der Stützpunktfeuerwehr Kaltennordheim. Von Mitternacht bis 2.30 Uhr und von 9 Uhr bis 16 Uhr waren 14 Feuerwehrleute aus Kaltennordheim und zehn Feuerwehrleute aus Diedorf in der und in der näheren Umgebung unterwegs, um die Sturmschäden zu beseitigen. Beschädigt wurde auch das Dach der Diedorfer Kirche. Auf einer Seite waren rund ein Drittel der Ziegel herabgefallen, und auch auf der anderen Seite gab es große Löcher, berichtet Kerstin Nelitz, Kirchenälteste in Diedorf. Feuerwehrleute aus Diedorf, Kaltennordheim und Klings, aber auch Bewohner aus den Orten des Kirchspiels Fischbach/Diedorf/Klings halfen, das Dach provisorisch zu verschließen um weitere Schäden zu vermeiden. An einer Seite habe es bereits reingeregnet, Auch Bürgermeister Ralf Matthes sei der Kirchgemeinde zur Hilfe geeilt, brachte Ziegel und half bei den Aufräumungsarbeiten auf dem Friedhof, der ebenfalls von, Sturm stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, Wir sind allen sehr dankbar, die halfen, das Kirchendach so schnell wieder dicht zu bekommen", sagt Kerstin Nelitz. " Vier bis fünf Hektar Wald sind auf einer Breite von zirka 200 Metern umgebrochen worden", berichtet Matthias Marbach, Leiter des Forstamts Kaltennordheini, "Die Hauptschäden liegen im Nordosten des Waldgebietes Horbel". Momentan laufe die genaue Schadensbegutachtung. Inwieweit die Standfestigkeit der stehenden Bäume beeinträchtigt ist, könne noch nicht abgeschätzt werden "Das Betreten der Windwurfflächen ist lebensgefährlich", warnt Matthias Marbach. Aus diesen Gründen wird der "Horbel" für den Publikumsverkehr bis zum 31. Oktober gesperrt. Der Gewittersturm, der sehr stark über Diedorf wütete, knickte neben der Linde noch weitere zahlreiche Bäume im Ort um. Darunter auch die groß gewachsene Krone einer Kastanie, die über die Straße geweht wurde, und zwei Tannen auf dem Friedhof. Mit Tagesbeginn sahen die Menschen das ganze Ausmaß des Unwetters deutlich, Wie hoch die Schäden sind, ist noch unbekannt. Zurzeit sind die Einwohner damit beschäftigt, ihre Häuser zu reparieren und das Geschehene zu verarbeiten. Dass es die alte Dorflinde nun nicht mehr gibt, darüber ist Annett Raumschüssel traurig, "Es ist sehr schade uni den schönen Baum." Unterdessen war ein meteorologischer Gutachter in Diedorf und bestätigte den Sturm als Tornado, teilte Kreisbrandmeister Andreas Kaufmann gestern mit. (sch/sach)

 

 

 

 


STZ 04.10.2006

Ein Luftsog ohne Ende

Ein Tornado hat in der Nacht zum Montag in dem thüringischen Dorf Quirla Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Drei Einwohner wurden nach Angaben von Kreisbrandinspektor Volker Gitte verletzt, als sie in der Dunkelheit bei Stromausfall ihre. Häuser verließen QUIRLA - Es kam zu Stürzen, Knochenbrüchen und Schnittverletzungen. Der Wirbelsturm war völlig überraschend aufgezogen und beschädigte 22 Häuser einer neuen Einfamilienhaussiedlung. Zumeist wurden Dächer zerstört.

Gegen 1.52 Uhr hatte die Windhose eine Schneise durch das Dorf und das angrenzende Waldgebiet geschlagen, Bäume knickten um wie Streichhölzer. In dem an der A 4 zwischen dem Hermsdorfer Kreuz und Jena gelegenen Ort zerstörten herabstürzende Äste Autos, Strom und Telefonleitungen. Die Stromversorgung in der Region brach zeitweise zusammen. "Der Tornado selbst war nach einer Minute vorbei", berichtete eine Frau. Etwa 88 Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) sprach ihnen sein Mitgefühl aus. "Heute erwarten wir den Bericht über das Ausmaß der Schäden, dann entscheiden wir über eventuell nötige staatliche Hilfen", sägte der Regierungschef.

"Es war ein Krach wie von einer Flugzeugturbine  und ein Luftsog ohne Ende", berichtete Dorfbewohner Eberhard Schneider. Der Gastronom wohnt etwa 500 Meter entfernt von den vor etwa zehn Jahren gebauten Häusern, die direkt von der Windhose getroffen wurden. In seinem "Truck Stop Quirla" an der Dorfstraße nahm Schneider die meist im Schlaf überraschten Betroffenen auf. "Ich habe meine Leute aus dem Bett geholt, den Truck Stop geöffnet und den Kamin angeworfen." Auf der Fahrt zu seinem nahe der Autobahn A 4 gelegenen Gasthof sah Schneider, dass selbst Bauwagen in die Luft gehoben worden waren "Es war irre." Zwei Kinder seien schreiend durch die Straßen gerannt. "Ich  habe sie mitgenommen." In der Fernfahrer Raststätte gab es für die obdachlos gewordenen Dorfbewohner warmen Kaffee und Bockwürste. "Die Leute waren ziemlich niedergeschlagen, hatten teils noch den Schlafanzug an ‑ aber geschlafen  hat  niemand  mehr", sagte Schneider.

Einen Tag nach dem verheerenden Tornado gingen die Aufräum- und Reparaturarbeiten trotz Regen zügig voran. "Bis auf eine Frau, deren Haus arg beschädigt wurde, konnten alle betroffenen Familien wieder in ihren Häusern schlafen", sagte der ehrenamtliche Bürgermeister Wolfgang Simon gestern. Handwerker hätten noch am Montag alle Häuser so weit notdürftig repariert, dass es nicht mehr reinregne. Auch die Straßenbeleuchtung sei wieder intakt. Die Polizei sperrte das Gebiet vor Schaulustigen ab. Zwei freiwillige Feuerwehren aus benachbarten Orten halfen auch am Tag der Deutschen Einheit bei Aufräumarbeiten und beseitigten umgestürzte Bäume und Bauschutt. Der 450­ Einwohner‑ Ort Quirla war laut Polizei von der Windhose überrascht worden. Es gab lediglich eine Warnung für Gewitter. Wirbelstürme kämen in Deutschland häufiger vor als angenommen, sagte Konrad Döpke vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig in einem dpa‑Gespräch, "Grob geschätzt gibt es etwa 60 bis 80 derartiger Phänomene pro Jahr." Viele dieser kurzlebigen Wirbelstürme wanderten durch Wiesen und Wälder und würden gar nicht entdeckt, weil sie keinen Schaden anrichteten, "Wir beobachten sie  nur, wenn sie in Siedlungen auftreten."

In Diedorf in der Rhön zerstörte ein Tornado in der Nacht zu Montag mehrere Dächer, auch das der Kirche. Ein umgestürzter Baum begrub, ein Auto unter sich. (dpa/stz)  

 


 

STZ Donnerstag, 5.10.2006 (Lokales)

 

Unwetter

Fassungslos über das Geschehene

Riesige Schäden: Tornado zerstörte Gebäude und Bäume / Große Hilfsbereitschaft im Ort

 

 

Abgeknickte und entwurzelte Bäume, Dächer ohne Ziegel, kaputte Gartenmöbel und Scherbenhaufen - der Tornado hat in Diedorf gewütet und riesige Schäden hinterfassen. Auch Tage nach dem Unwetter sind die Menschen am Aufräumen und Reparieren. Sie können noch nicht so richtig  begreifen, was hier eigentlich passiert ist.

 

DIEDORF - In der Nacht zum Montag bildete sich der Tornado, Stärke 1, unbemerkt von den Einwohnern am Bergzug "Hörbel" bei Empfertshausen (stz berichtete). Über eine Strecke von zirka 4,5 Kilometern schlug der orkanartige Wirbelsturm eine Schneise und zerstörte dabei, was im Weg stand. Ein meteorologische Gutachter bestätigt den Verlauf des Tornados, der unübersehbar ist. Vom Horbel gelangte der Wirbelsturm über die „Altmark“ nach Diedorf. Am Basaltwerk zwischen Diedorf und Klings wütete er an den ersten Gebäuden. "Durch die hohe Windgeschwindigkeit wurde das Dach vom Bürogebäude abgerissen“, erklärt der stellvertretende Betriebsleiter Matthias Hartmann

 

und zeigt auf die 20 Meter entfernte Stelle, wo die Dachteile gefunden wurden. Auch das Dach der Werkstatt und die Telefonleitung seien völlig zerstört worden. "Der Sachschaden ist erheblich."

Drei Minuten, schätzen einige Einwohner, soll der Tornado durch Diedorf gewirbelt sein. Die meisten Menschen waren auf der Kirmes im Saal", berichtet Bodo Walch.

Der 45- Jährige hatte gerade die Kirmespredigt beendet, als er als Erster von dem Unwetter erfuhr. Jens Raumschüssel meldete die Entwurzelung der Linde vor seinem Haus. Die Feierlichkeiten fanden kurz vor Mitternacht ihr abruptes Ende. Bis dahin konnte noch niemand ahnen, was sich gerade im Ort ereignete. "In Kürze wurden alle verfügbaren Feuerwehrleute zusammengetrommelt", so Bodo Walch. Er selber war der Einsatzleiter in dieser Nacht. "Zuerst sind wir zu dem Auto auf der Bundesstraße 285 gefahren, das gegen den Baum geprallt ist. Von der Stützpunktfeuerwehr Kaltennordheim forderten wir Verstärkung." Da die Straßenbeleuchtung ausfiel, musste sich in völliger Dunkelheit ein erster Eindruck im Ort verschafft werden. "Die Situation war schwierig einzuschätzen", erinnert sich Bodo Walch, "keiner wusste, ob noch Ziegel von den Dächern fallen, die Einsatzkräfte waren selbst in Gefahr." Stundenlang wurden die Dorfstraßen frei geräumt. Als Bodo Walch um vier Uhr morgens nach Hause kam, hatten die Nachbarn bereits sein Dach notdürftig geflickt. Über diese Hilfsbereitschaft habe er sich sehr gefreut, sagt der Einsatzleiter. Nicht nur er, auch zwei weitere Feuerwehrmänner seien privat betroffen gewesen und konnten auf die Unterstützung aus der Nachbarschaft bauen.

Zirka 200 Ziegel mussten am Haus von Bodo Walch erneuert werden, die Ortgänge aus Holz und Blech liegen noch abgerissen im Garten. "Ich bin seit über 30 Jahren in der Feuerwehr, aber so einen Einsatz habe ich noch nie erlebt."

Die Scheune von Elsbeth Lohse

 

muss zum Teil abgerissen werden. "Die Kosten zur Erneuerung sind einfach zu hoch", sagt die 56-Jährige. Meterweise seien die Ziegel der Scheune umhergeflogen, einige davon sogar gegen die Hauswand, "Unvorstellbar, was hätte passieren können, wenn Menschen auf der Straße gewesen wären.“

Der Schaden am dreigeschossigen Wohnhaus von Jana Kranz

ist sehr groß. Dort hob der Tornado das Dach und riss den Giebel  am Haus auseinander. Der größte Teil der Dachfläche ist völlig zerstört, der Fußboden tut Dachgeschoss unbrauchbar weil hier das Wasser reinfloss "Die Äste der umstürzenden Linde aus der Nachbarschaft zerstörten  das Auto meiner Tochter",  erzählt die 41-Jährige, die immer noch fassungslos über das Geschehene ist. Jetzt wartet die Familie auf das Ergebnis der Versicherung und hofft, den größten Teil des Schadens ersetzt zu bekommen.

Unweit vom Haus wirbelte der Tornado weiter über die Felda ins "Schmalkaldener Tal "

und ins "Dirles". Dort hat er sich wahrscheinlich aufgelöst. Doch nicht, ohne seine gewaltigen Spuren zu hinterlassen. An der Teichanlage liegen unzählige Bäume entwurzelt und abgeknickt am Boden oder im Fluss. Die Aufräumarbeiten dort und im Ort werden noch Wochen andauern. Trotz alle, materiellen Schaden grenzt es für alle Diedorfer an ein Wunder: Dass niemandem etwas passiert ist.

Als Hilde Raumschüssel

 

am Montag aus dem Urlaub kam, konnte sie die Tränen nicht zurückhalten. Schon von Weitem sah sie ihr Wohnhaus, vor dem die beiden Linden fehlten. Die eine, die in der Nacht entwurzelt wurde, und die andere, die aus Sicherheitsgründen der Säge weichen musste. "Diese alten Bäume gehörten zu unserem Leben und zum Dorfleben", erzählt die 66‑Jährige. Sie und ihre Familie überlegen, eine neue Linde zu pflanzen. Diese soll an das schrecklich Unwetter erinnern, das so noch niemand im Ort bisher erlebt hatte.              

KATJA SCHRAMM

 


 

Diedorf (Wartburgkreis) - Wie erst jetzt bekannt wurde, wütete in der Nacht von Sonntag zu Montag in Diedorf im Wartburgkreis auch ein Tornado. Kurz vor Mitternacht fegte der Tornado am Ort entlang und richtete große Schäden an. So wurde ein Waldstück restlos verwüstet und zahlreiche Hausdächer beschädigt. Zum Glück wurde kein Einwohner verletzt. Im Ort fand zu diesem Zeitpunkt die Kirmesveranstaltung statt.
Augenzeugen berichteten von umherfliegenden Dachziegeln. Schieferstücke sollen sich wie Geschosse in den Boden gebohrt haben. Eine Anwohnerin: «Der Spuck dauerte drei Minuten».
Die Freiwilligen Feuerwehren von Diedorf und Kaltennordheim kamen mit rund 40 Frauen und Männern zum Einsatz. Viele Freiwillige und Firmen begannen nach der ersten Schadensaufnahme mit den Aufräumarbeiten. Seitens des Landratsamtes informierte sich Fachbereichsleiterin Regina Spieß von der Lage im Ort. Es war ein Tornado der Stufe F1 und soll mit dem Tornado bei Jena im Zusammenhang stehen. Neben Häusern ist auch die Kirche des Ortes betroffen. Vor der Gaststätte «Linde» fielen mehrere Bäume auf die Straße, ein Glascontainer wurde durch den Sturm geöffnet und das Wartehäuschen beschädigt.
Groß war die Hilfsbereitschaft der Bewohner des Ortes. Erste Dächer sind bereits repariert und Baumreste werden gefällt und das Holz aufgeschichtet.
Landrat Reinhard Krebs sprach allen Helfern seinen großen Dank aus. «Hier zeigt sich erneut eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft». So ein Ereignis zeige auch, wie wichtig die örtlichen Feuerwehren sind, sie können direkt vor Ort helfen.
Unterstützung wird es jetzt durch Arbeitskräfte über die Bundesagentur geben und weitere Maßnahmen werden nach der genauen Schadensermittlung eingeleitet. (eol/rbr)

 


 

 


Freies Wort 05.10.2006

Rhöner Ableger des Tornados von Quirla

 

Diedorf bekam heftig etwas ab / Noch kein Ende bei Aufräumarbeiten abzusehen / Mögliche Hilfe anderer wird geprüft

 

Der Tornado, der in der Kirmesnacht vom Sonntag zum Montag ganz Diedorf in helle Aufregung versetzte, hat wahrscheinlich dieselbe "Mutter" wie der von Quirla bei Jena. Für die Tornadoforscher Thomas Sävert und Bioem Stumpf ein interessantes Phänomen, für die Diedorfer etwas, das sie in Angst und Schrecken versetzte.

 

DIEDORF - Diese Kirmes wird noch lange im Gedächtnis bleiben. "Vielleicht können Wir nächstes Jahr darüber lachen, im Moment nicht", sagt Peggy Hossel. Der Feuerwehrchefin sind gestern die Strapazen, seit Sonntagnacht noch immer anzusehen. "So etwas hat das Dorf noch nicht erlebt'', sagt sie und erzählt: Es war Kirmes im Dorf. Die

Kirmesbeerdigung hatte man ge­rade hinter sich gebracht. "Plötzlich richten sich die Gardinen im Saal, wo das ganze Dorf verstammelt war. Die Mutter eines Kameraden kam herein und sagte, da draußen ist der Teufel los, Da deckt es ganze Dächer ab." Vorn Regen wird berichtet, dass er nicht senkrecht vom Himmel kam, sondern waagerecht - "wie eine weiße Wand, wie Schnee". - Die Platzburschen riefen per Durchsage die feiernden Feuerwehrleute zum Einsatz. "Mit ei­nem Schlag war der Saal leer', denn auch alle anderen liefen, um zu Hause nach dem Rechten zu sehen. Peggy Hössel lief zum Feuerwehrhaus, an den Funk.

Annett Raumschüssel, die in der ehemaligen "Linde" am Ortsausgang wohnt, hatte kurz vor halb zwölf auf die Uhr geschaut, als sie voller Erschrecken feststellte, dass eine der Linden vor der Haustür samt Wurzel herausgerissen wurde und ein abgestelltes Auto beschädigte. Es sollte nicht der einzige entwurzelte oder abgebrochene Baum in dieser Nacht bleiben. Während die Feuerwehrleute beschlossen, alle Punkte im Dorf abzufahren, gab es eine Alarmierung von der Leitstelle: Auf der Bundesstraße 285 war ein Auto vor einen umgestürzten Baum gefahren. Eine schwangere Frau Wurde dabei leicht verletzt. "Sie hatten riesengroßes Glück, wären sie etwas schneller gewesen, hätte der Baum sie eingeht'', sagt Peggy Hössel.

An der Buswendeschleife hatte der Sturm eine Kastanie halbiert, überall waren Ziegel von den Dächern abgedeckt, Schilder umgeknickt, Zäune umgeworfen, "In dieser Situation haben wir Kaltennordheim zur Hilfe gefordert, damit wir uns nicht mit dem Unfall auf der Bundesstraße beschäftigen mussten", sagt die Wehrleiterin. Sie fuhr mit den Kameraden noch bis nachts um halb vier Einsätze, dann nahmen alle völlig geschafft auf dem Saal einen "Absacker", Eine kurze Nacht. Wenige Stunden später Treff am Feuerwehrgerätehaus "für alle; die Löffel halten können". Am Montagmorgen fiel der Kirmesfrühschoppen aus. Jutta und Cindy Pempel und Isolde Bochhammer, die sich eigentlich um den Frühschoppen kümmern wollten, richteten nun der Feuerwehr Frühstück und später Mittag her. Die Wirtin der Gaststätte war selbst von Sturmschäden betroffen. Im Hellen sahen dir Diedorfer auch erst, wie groß das Ausmaß der Schäden wirklich war: Vor allem der obere Teil der Georgenstraße und der hintere linke Teil der Hauptstraße in Richtung Kaltennordheim waren von Dachabdeckungen bei Wohnhäusern und Scheunen betroffen, an der Buswendeschleife waren weitere Linden umgefallen. "An der Kirche sah es auch wie nach einem Bombenanschlag aus", sagt Peggy Hössel. Fichten waren umgestürzt, das Dach war auf beiden Seiten offen, es regnete an einer Stelle herein, Ziegel haben das Holz des Himmels heruntergedrückt.

Pastorin Sylvia Graf erwartete gestern den Gutachter. "Wir sind über die Kirche versichert. Aber eigentlich hatten wir etwas ganz anderes vor, als das Dach zu reparieren: Wir wollten noch vor Totensonntag eine Heizung einbauen, hatten endlich das Geld dafür zusammen," 

Sie wie auch Küsterin Gerlinde Günther sind bei allem Leid beeindruckt von der großen Hilfsbereitschaft der Diedorfer und ihrer Nachbarn: Hier hat sich gute Zusammenhalt bewiesen. Die Leute haben sich gegenseitig geholfen, und sie sind hierher zur Kirche gezogen, um anzupacken. Auch die Kirchenätesten aus Fischbach und Klings haben geholfen". Für sie ein Beweis, dass "Kirche doch ein Mittelpunkt, für die Menschen hier ist".

Auch die Feuerwehrchefin konnte sich über viele Helfer freuen, die mit angepackt haben, auch wenn sie gar nicht bei der Feuerwehr sind, Hans Pempel, Lutz Fleischmann, Tino Schlotzhauer, Willi Bochhammer, Henrik Küsel nennt sie steilvertretend. Wer Technik zur Verfügung stellen. konnte, tat dies ohne große Worte.

Und dass man ohne Technik nicht weit kommt, das sah man noch gestern am Teich. Hier hatte der Tornado eine Schneise der Verwüstung hinterlassen, mit umgestürzten und abgeknickten Bäumen. Das Gehege, das die Naturfreunde angelegt hatten und wo Schafe und Schweine wohnten - nur noch ein Wirrwarr von gesplitterten Bäumen und umgestürzten Riesen, die bis zu fünf Meter hohe Wurzeln in den Himmel strecken, "Die Tiere haben es überlebt", sagt Jutta Pernpel. 

Sie und Isolde Bochammer machten sich gestern mit dem Mut der Verzweiflung daran, auch bei strömendem Regen Äste zu beseitigen.

 

        Äste und, Bäume wegzuräumen, um die Verkehrswege wieder freizumachen, war auch das Hauptziel der Feuerwehr gewesen . Gemeindearbeiter und eh­renamtlicher Bürgermeister Ralf Matthes steht gestern am Bus­wartehäuschen an der, Wendeschleife: Es ist vom Wind schief gedrückt,  Handwerker rücken an, Dachdecker haben Hochkonjunktur. Die TSI fällt Bäume an der Straße. Und auch Regina Spieß, Fachbereichsleiterin Sicherheit und Ordnung vorn Landratsamt, und Peter Roth, diensthabender Katastrophenschützer, sehen sich vor, Ort um.

"Wir machen uns ein Bild, um zu sehen, ob und wie wir Hilfe organisieren müssen", sagt Spieß. 

Bald sieht es danach aus, als würde Diedorf es allein nicht schaffen, die Tornadoschäden zu beseitigen. "Gerade hatte ich die letzten Äste vom Sturm vom Juli weggeräumt", grummelt der Bürgermeister. Der Kindergarten hat etwas abbekommen bei dem Sturm, aber am Gebäude selbst ist nichts passiert, was die Betreuung der Kinder verhindert hätte. "Die Felda war komplett zu, jetzt muss der ganze Haushalt, den wir herausgezogen haben, noch weggeräumt werden", sagt Matthes.

 

Der Tornado ist von Südwest nach Nordost über Diedorf hinweggelegt. Die Schneise reicht vom Engelsberg bei Tann über das Waldgebiet Horbel hinweg und über die "Gräbe" zum Klingser Berg am Basaltwerk bis Diedorf und darüber hinaus. 4,5 Kilometer lang ist die Spur, nicht besonders breit. Ernst Krämer, Organist, hat einen Feuerball zwischen den Häusern gesehen. Diese und andere Bobachtungen sammeln Thomas Sävert und Bjoern Stumpf, Tornadoforscher.

Stumpf, ein Fuldaer, war gestern erneut vor Ort. Dass es ein Tornado war, darüber ist man sich einig. Stufe FI (135 bis 184 Stundenkilometer) oder T 3 (eine etwas spezifizierte Variante auf einer anderen Messskala), das ist für sie nun die Frage. Sie haben einen Zusammenhang zwischen dem Quirlaer Tornado und dem Diedorfer hergestellt: Beide gehen auf dieselbe Gewitterzelle zurück, sagen sie. IRIS FRIEDRICH

www. tornadoliste. de

(Von hier Links auf andere Seiten, die den Diedorfer Tornado genau beschreiben)

 


 

FW 06.10.2006

DREI FRAGEN AN THOMAS SAEVERT Meteorologe und Tornadoforscher

 

Wie ein Güterzug, aber nur Sekunden

Thomas Sävert aus Velbert (Nordrhein-Westfalen) betreibt eine "Sammelstelle für Tornados in Deutschland". Der Meteorologe, der in der Unwetterzentrale Jörg Kachelmanns arbeitet., sammelt ehrenamtlich insbesondere Informationen über diese Wirbelstürme in Deutschland denn es gibt keine staatliche Stelle, die dies tut. Iris Friedrich sprach mit ihm über den Rhöner Tornado.

Freies Wort:

Was ist eigentlich ein Tornado?

Thomas Sävert.: Er bildet sich in aufsteigender Luft im Bereich von Schauern und, Gewittern. Ein Tornado ist ein senkrechter WirbeIschlauch, der von der Wolke bis zum Boden reicht. Diesen muss man gar nicht durchgängig sehen - aber bei vielen Tornados ist diese Beobachtung schon gelungen, sogar fotografiert worden. Ein Tornado hinterlässt anders als eine Gewitterböe ein typisches Schadbild - meist kein sehr breiter Korridor, dafür ein langer. Typisch ist auch die Sogwirkung des Wirbelschlauches: Da wird meist etwas hochgerissen und fortgetragen. Tornados dauern nur sekundenlang bis höchstens eine Minute. Die Geräuschkulisse ist meist wie bei einem vorbeifahrenden Güterzug. Augenzeugen aus Diedorf berichte über etwas Atypisches: von Regen, dann Sturm, anschließend wieder Regen.

Freies Wort:

Wie haben Sie überhaupt Kenntnis davon bekommen, dass es in Diedorf einen Tornado gab? Thomas Sävert. Diedorfer haben sich auf meiner Internet, (www.tornadoliste.de) gemeldet. Hier sammeln wir Inforationen über Tornados aus ganz Deutschland. Nach Diedorf, Quirla, Gera und als letzter der vom 4. Oktober Cuxhaven - zugekommen. Wir sind dankbar  für alle Informationen und Fotos. Nicht überall können wir selbst sein, auch wenn Mitstreiter Bjoern Stumpf aus Fulda sich vorgestern erneut aufmachte, nach Diedorf.

Freies Wort:

Was bringt die Tornadoliste?

Thomas Sävert: Das Sammeln und Auswerten der Informationen soll helfen zu erkennen, wohin die Entwicklung der Tornados in Deutschland geht. ... besten Falle würden wir sie vorhersagen können. Die Spur Diedorfer Tornados etwa für zurück zu einer Multizelle, welche sich in Mainz/Budenholz gebildet hat und in nordöstlicher Richtung weiter über  Hessen und Thüringen zog.


06.10.2006 STZ

Stadt-Geflüster

Vorbeigewirbelt? Mit mehr als 150 Stundenkilometern rauschte der Tornado. durch Diedorf. Zerstörte Gebäude und Bäume, eine Person wurde leicht verletzt. Wenige Stunden später, mit Tagesbeginn, sind wir Holzköpfe vor 0rt unterwegs. Sprechen mit den Menschen und verschaffen uns einen Überblick über die gewaltige Zerstörungswut des Tornados. Zurück am Schreibtisch greifen wir zum Telefon, versuchen Informationen einzuholen von behördlicher Seite.

Die Polizei weiß lediglich von einem umgestürzten Baum, mehr konnte dazu nicht gesagt werden. Bis heute, fünf Tage später, ist bei uns Holzköpfen kein Polizeibericht erschiene. Selbst die Pressestelle vom Landratsamt gab erst auf Nachfrage unvollständige Informationen weiter. Ist die Rhön wirklich so weit weg, dass ein solch orkanartiges Unwetter unbemerkt an den Amtsstuben vorbeirauscht, fragt sich DIE HOLZKOPF‑WG


Zeitung Bild 06.10.2006

2. Tornado! Doch Diedorf machte nicht viel Wind drum

 

Von OLIVER LÖHR

 

Diedorf - Windschock in Thüringen! Im Freistaat hat in der. Nacht zu Montag ein zweiter Tornado ein Dorf heimgesucht...

Der erste, der das Dorf Quirla bei Stadtroda verwüstete, sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Der zweite fegte 167 Kilometer südwestlich von Quirla über Diedorf hinweg doch das Dörfchen machte keinen Wind drum und räumte lieber auf, als Alarm zu schlagen. Fast alle der 400 Einwohner waren um 23.30 Uhr zur Kirmes im Festsaal, als es wie aus dem Nichts losging. Als nebenan die Ziegel vom Dach. flogen, rannten alle in ihre Hauser zurück", so Bürgermeister Ralf Matthes (45).

"Bei .50 Häusern wurde das Dach abgedeckt, Schilder, Zäune, und Bäume wurden gefüllt, Autos beschädigt." Noch vier Stunden später war die Feuerwehr mit Aufräumen beschäftigt.

Der Deutsche Wetterdienst ist sich sicher: Beide Tornados hatten die gleiche Kaltfront als Ursache. Ein Meteorologe: "Wenn die Wetterlage ein Mal so etwas hergibt, warum. nicht ein zweites Mal?" Selbst den Meteorologen war bis gestern nichts von, dem Wirbelsturm Nummer zwei im Westen Thüringens bekannt.

 


 

FW 07.10.2006

BAD SALZUNGEN

 

Hilfe nach dem Diedorfer Tornado . durch die Feuerwehr des Ortes und andere

 

Vier Hartz-4-Empfänger sollen in den, kommenden zwei Wochen in Diedorf bei der Beseitigung der Schäden helfen, die bei dem Tornado (wir berichteten) entstanden sind. Die ARGE Wartburgkreis hat diese Zusage gegeben, so Landrat Krebs gestern. Er war im Übrigen des Lobes voll über die Einsatzkräfte der Feuerwehr aus Diedorf und aus Kaltennordheim, die nach dem Tornado angepackt haben. Die Gesellschaft TSI hat nach Aussage des Vizelandrates gestern weitere Bäume gefällt. (fr)


FW 10.10.2006

16 Hektar Wald fielen

Tornado zum Opfer

 

QUIRL/DIEDORF - Der Tornado im ostthüringischen Quirla hat dort vor einer Woche 16 Hektar Wald vernichtet. Das entspricht der Fläche von etwa 22 Fußballplatzen. Zu 90 Prozent seien Privatwaldbesitzer betroffen, teilte das Landwirtschaftsministerium in Erfurt gestern mit. Nur ein Hektar ist Staatswald. "Der Sturm hatte so eine Wucht, dass er selbst Eichen abgebrochen hat, wo man dachte die stehen fest“, sagte der Leiter des Forstamtes Stadtroda, Achim Ramm. Die finanziellen Schäden für die Waldbesitzer seien noch nicht bezifferbar. Unklar sei, wie viel Holz noch sägefähig ist und verkauft werden kann, sagte Ramm. Die 24 betroffenen privaten Waldeigentümer müssten mit Wertverlusten rechnen - durch gesplittertes Holz und Faserschäden, im Stamm. Bei der Aufforstung könnten die Waldeigentümer mit finanzieller Hilfe vorn Freistaat rechnen.

Kurz vor dem Wirbelsturm in Quirla war auch, ein Tornado über die Gemeinde Diedorf im Wartburgkreis und ein dortiges Waldgebiet gezogen. Nach Angaben des zuständigen Forstamtes in Kaltennordheim wurden auf einer Fläche von zirka fünf Hektar, das sind etwa sieben Fußballfelder, die Bäume umgedrückt. Betroffen waren 30 bis 40 Meter lange Buchen. Schon jetzt rechnet Forstamtsleiter Matthias Marbach damit, dass 50 Prozent des Holzes wertgemindert sind. (dpa/red)

 


 

FW 11.10.2006

Tornado

Hilfe wird aufgestockt

BAD SALZUNGEN - Die kreisliche Hilfe nach dem Tornado in Diedorf (wir berichteten) ist aufgestockt worden. Nachdem die ARGE Wartburgkreis zunächst vier Hartz- IV-Empfänger als, Helfer zugesagt hatte, ist auf einen. weiteren Antrag der Verwaltungsgemeinschaft "Oberes Feldatal" umgehend reagiert worden. Danach werden über die Agentur für Arbeit weitere sechs Helfer ausgesucht, die auch nicht nur für einen kurzen Zeitraum, sondern bis zum Jahresende in d er Gemeinde Diedorf mit anpacken können, Dies sollen möglichst Diedorfer sein, aber auch Helfer aus umliegenden Orten kommen in Frage. Wichtig sei ein kurzer Weg bis Diedorf. Der Ordnungsamtsleiter der VG Oberes Feldatal, Wilhelm Reinau, bekam vom Arbeitsamt die, Zusage, dass das erste Projekt am 16. Oktober starten kann. Er nennt als s Schwerpunkte der Aufräumarbeiten die Felda, Richtung Hohe Asch, das, Gehege hinter dein Teich in Diedorf, die Straße zur Hohen Asch und die Wanderhütte in Richtung Klings. Bürgermeister Matthes werde den Einsatz koordinieren. (fr)


12. Oktober 2006 Bad Salzungen, Andreasstraße 11 Tel. (0 36 95) 55 53 00, Fax 55 53 04

Verwüstung, die in Sekunden kommt

Der Tornado, der Diedorf heimsuchte, beschäftigt auch die Forschung

 

(WS/yv) - So hatten sich die Diedorfer das Ende ihrer diesjährigen Kirmes nicht vorgestellt. Der fröhliche Ausklang des bunten Treibens endete jäh, denn im Freien hatte sich in der Nacht zum vorvergangenen Montag etwas zusammengebraut, das so noch nicht da war im Ort und eine Spur der Verwüstung in der kleinen Rhöngemeinde hinterließ. Umgestürzte. Bäume, abgedeckte Dächer und beschädigte Fahrzeuge ‑ es brauchte nur Sekunden für diese Schreckensbilanz. Das ganze Ausmaß der Zerstörung offenbarte sich Bewohnern und den Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehren aus Diedorf und Kaltennordheim erst. mit Anbruch des Tages. Glück im Unglück: ‑Es gab keine Verletzte. Das Unwetter, das dieses Desaster hinterließ ' wird als Tornado bezeichnet. Im deutschsprachigen Raum sagt man auch "Windhose" dazu. -"Windhose" - der Begriff beschreibt eigentlich sehr gut, was zu beobachten ist", sagt Thomas Sävert aus Velbert in Nordrhein‑Westfalen. Sävert ist Meteorologe und beschäftigt sich seit Jahren mit Tornados, jenen kleinräumigen, schlauchförmigen und sehr intensiven Wirbelwinden, die bei Bodenkontakt große Schäden anrichten können. Er hat eine Internetplattform - eingerichtet, die von denen genutzt werden kann, die schon einmal einen Tornado (oder eben eine Windhose) beobachtet haben. Zu finden sind dort Beschreibungen und auch Fotos. Noch in der Nacht vom vorvergangen Sonntag auf Montag erhielt Sävert Kenntnis von dem Unwetter in Diedorf. Recht schnell vor Ort war Bjoern Stumpf, der aus Fulda stammt, ebenfalls Tornado- Forscher ist und mit Thomas Sävert zusammenarbeitet.

"Die Tornado-Forschung steckt in den Kinderschuhen, wir wissen noch viel zu wenig", sagt Sävert. Auch wenn die Wissenschaft daran arbeite ‑Geschwindigkeitsmessungen direkt in einem Tornado seien nur schwer realisierbar. "Und selbst wenn auf dem Weg eines, Tornados zufällig eine Wetterbeobachtungsstation liegen würde, dürfte diese Station hinterher kaum noch in der Lage sein, Ergebnisse zu liefern", meint er. Wie also wird die Intensität einer Windhose bewertet? "Die einzige Chance ist, die Schäden hinterher zu analysieren. Was ist in welcher Form zerstört worden, das ist die Frage." Die Einstufung erfolgt mit ,Hilfe der so genannten Fujita Tornado-Skala, deren Werte von F0 (leichte Auswirkung, Windgeschwindigkeit unter 118 km/h) bis F5 (katastrophal, über 418 km/h) reichen. Im Falle des jetzt aufgetretenen Tornados in der Rhön wird von einem Skalen-Wert FI (mäßig, .über 118 km/h) ausgegangen. Sävert ist noch vorsichtig mit einer abschließenden Beurteilung, 'denn: "Die Auswertung eines Tornados dauert in der Regel einige Wochen, manchmal sogar Jahre". Zurückhaltung übt der Tornadoforscher auch in einem anderen Punkt:. "Ich bin noch vorsichtig, wenn es darum geht, einen Zusammenhang zwischen der globalen Erwärmung und dem gehäuften Auftreten von Tornados, herzustellen. Windhosen gab es hier schon immer. Aber heute sind Informationen über beobachtete Tornados sehr schnell verfügbar, die Leute geben bereitwillig Auskunft.

Das sehe ich ja auch an der Internetplattform, die eine rein private Initiative ist", äußert der Meteorologe, den allein in diesem Jahr schon um die 50 Törnado-Meldungen aus ganz Deutschland erreichten. Dabei sind die so genannten Wasserhosen (Tornados über Wasser Meer) noch gar nicht berücksichtigt. Die Menschen reagierten wohl auch deshalb viel sensibler auf das Thema, weil die Tornado-, Schäden in den letzten Jahren fraglos enorm angewachsen seien. Das sei zum einen auf die dichter werdende Bebauung zurückzuführen, zum anderen lägen die Gebäudewerte heute in aller Regel höher als früher. Sävert nennt als Beispiel die Schadenshöhe, die ein Tornado mit dem Skalenwert F4 (über 332 km/h) 1968 in Pforzheim hinterlassen hatte. Sie betrug seinerzeit 130 Millionen D-Mark. "Heute könnte man wahrscheinlich von 1,3,0 Millionen Euro oder mehr sprechen."

Die Entstehung von Tornados oder Windhosen ist sehr komplex. Sie bilden sich in, aufsteigender Luft im Bereich von Schauern oder Gewittern. "Sie ,treten das ganz Jahr über auf, im - mitteleuropäischen Raum gehäuft im Juni, Juli und August", berichtet Thomas Sävert. In den Vereinigten Staaten seien Tornados vor allem im Frühjahr zu beobachten, ergänzt er.

Dort konzentriere sich auch seit den 1950er-Jahren die wissenschaftliche Kompetenz in Sachen. Tornado-Forschung. Dabei hatte diese in Deutschland um 1920 einen frühen Ausgangspunkt. Zurück gehen die ersten gezielten Beobach­tungen und Beschreibungen auf den Meteorologen und

Geophysiker Alfred Wegener. Der machte sich vor allem ei­nen Namen auf dem Gebiet der Kontinentalverschiebung, beschäftigte sich aber eben auch mit Tornados und prägte da für den Begriff ."Windhose".

Wegener kam 1930 ums Leben. Die weitere Forschung lag dann bedingt durch den 2. Weltkrieg brach.

Wohin die Tornado‑Entwicklung in den hiesigen Breiten führt, wollen Forscher wie Sävert erkunden. Auch, damit in Zukunft möglicherweise Vorhersagen gemacht werden können. Das versucht man in Amerika bereits., Freilich noch mit sehr wechselhaftem Erfolg.

 

 

Tornado fegte über Diedorf weg

In Diedorf im südlichen Wartburgkreis hat es in der Nacht zu Montag einen zweiten Tornado gegeben. Menschen wurden nicht verletzt. Aber an jedem dritten Haus hat es Ziegel abgedeckt. Bäume sind entwurzelt, Zäune und Wintergärten zerstört worden. Besonders betroffen: die Kirche, die auf einer Anhöhe steht.
WARTBURGKREIS (bs). "Es ist ein großes Glück gewesen, dass niemand verletzt worden ist", berichtete eine Bewohnerin. Die Diedorfer hatten gerade im Saal die Kirmes beerdigen wollen, als gegen Mitternacht ein junger Mann hereinstürmte und berichtete, dass es zwei Linden entwurzelt hatte. Alle sind losgerannt, um nach ihren Häusern zu sehen. Da waren die meisten noch der Meinung, es handelt sich um einen Sturm infolge Gewitters. Davon ist auch die Leitstelle ausgegangen, der ein Unfall auf der B 285 gemeldet worden war: Ein schwerer Ast hatte ein Auto demoliert. "Das ganze Ausmaß ist erst am Morgen sichtbar geworden", so Regina Spieß, Leiterin des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung im Landratsamt. Sie hatte sich mit Bürgermeister Ralf Matthes am Mittwoch vor Ort umgesehen: "Es war erschreckend." Besonders die Kuppel der Kirche, die auf einer Anhöhe steht, ist in Mitleidenschaft gezogen worden. Ziegel flogen auf den Friedhof. Der Tornado ist von Südwest nach Nordost über Diedorf gezogen, die Schneise hat eine Länge von etwa vier Kilometern. "In Richtung Wald sind Bäume umgeknickt, an anderer Stelle entwurzelt worden", so Spieß. Die Freiwillige Feuerwehr und die Bürger haben sofort mit dem Aufräumen begonnen. Dächer sind schon wieder neu eingedeckt. Das Landratsamt hat jetzt Hilfe über die Arge zugesagt: Vier Hartz-IV-Empfänger sollen eingesetzt werden. Es wird davon ausgegangen, dass die Tornados von Diedorf und Quirla in Ostthüringen an der gleichen Kaltfront gelegen haben.

Gefunden unter www. thueringer-allgemeine.de

 


Katastrophe

Zweiter Tornado in Thüringen

In Thüringen hat ein zweiter Tornado gewütet. Wie erst am Donnerstag bekannt wurde, zog bereits in der Nacht zu Montag ein Tornado durch Diedorf in der Rhön. Der Sturm beschädigte mehrere Häuser und entwurzelte Bäume. Verletzt wurde niemand. Nach Zeitungsberichten zog der Tornado eine Schneise von fast fünf Kilometer. Die Freiwillige Feuerwehr versuchte noch in der Nacht, die größten Schäden zu beseitigen. Trotzdem werden die Aufräumarbeiten voraussichtlich noch Wochen dauern. Unter anderem muss wahrscheinlich der Teil einer Scheune abgerissen werden. Zunächst war nur der Tornado in Quirla bei Stadtroda bekannt geworden. Dort hatte der Sturm eine Eigenheimsiedlung schwer beschädigt. Drei Menschen wurden verletzt. Außerdem war ein Waldstück vom Sturm zerstört worden. Warum der zweite Tornado nicht gemeldet wurde, bleibt zunächst unklar. (zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2006 | 09:11 Das MDR Thüringen berichtet aus Diedorf)

 

 


 

braunbär